Unter dem Einfluss hyperbarer Oxygenierung lassen sich „schlafende“ Nervenzellen nach einem Schlaganfall wieder aktivieren. Und dies nicht nur unmittelbar nach der Schädigung, sondern auch noch Jahre später. Dies weist eine randomisierte, prospektive Studie nach, die im Januar 2013 publizierte wurde. An der Universität Tel Aviv behandelte das Team um Dr. Shai Efrati 74 Patienten, deren Hirninfarkt sechs bis 36 Monate zurücklag und deren Hirnfunktion keine weiteren Anzeichen für eine weitere Regeneration lieferten, mit hyperbarer Sauerstofftherapie.
Signifikante Verbesserung der Lebensqualität in der Regenerationsphase

Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip einer Behandlungs- bzw. Kontrollgruppe zugewiesen. In der Behandlungsgruppe fanden gleich zu Beginn der Studie 40 HBO Sitzungen (5 Tage/Woche) à 90 Minuten statt, bei der Kontrollgruppe erst zwei Monate später. Es wurden 100% Sauerstoff bei einem Druck von 2 bar verabreicht. Mit dem Ergebnis: Die neurologischen Funktionen sowie die Lebensqualität aller Patienten in beiden Gruppen verbesserten sich infolge der HBO-Therapie signifikant. Während der Kontrollperiode war dagegen bei den Patienten der Kontroll-Gruppe keine Zunahme der Neuronenaktivität festzustellen gewesen.

Somit empfiehlt sich die HBO als eine vielversprechende Therapie-Option in der Regenerationsphase nach Schlaganfall. Bei den Teilnehmern der israelischen Studie besserten sich Lähmungen, Taubheitsgefühle und Sprechvermögen und damit die alltägliche Lebensqualität. Der Vergleich der Hirnscans vor und nach der Behandlung mit hyperbarer Sauerstofftherapie bestätigte, dass sich die Aktivität in den vom „Schlag“ geschädigten Hirnarealen erheblich erhöht hatte.
HBO wirkte jenseits des erwarteten Zeitfensters

Den Erfolg der HBO sieht Efrati darin begründet, dass das Gehirn für eine Wiedererholung viel mehr Energie brauche als mit der Aufnahme von normobarem Sauerstoff möglich sei. Normalerweise werde rund 20% des vom Körper aufgenommen Sauerstoff für das Gehirn verbraucht. Damit würden aber nur 5 bis 10 % der Neuronen aktiv gehalten. Die HBO erhöht den Sauerstoffgehalt im Blut bei dem hier verwendeten Druck mindestens um das Zehnfache. Dies ermögliche dem Gehirn, so Efrati, Verbindungen zwischen den Nervenzellen wieder aufzubauen und inaktive Neuronen zu heilen.

Was am meisten verblüffte: Auch Patienten jenseits des erwarteten Zeitfensters profitierten von der HBO. Efrati folgert daraus, dass sich die Nervenzellen des Gehirns noch Monate und Jahre nach einem traumatischen Ereignis erholen können.

Hyperbaric Oxygen Induces Late Neuroplasticity in Post Stroke Patients – Randomized, Prospective Trial. Shai Efrati, Gregori Fishlev, Yair Bechor, Olga Volkov, Jacob Bergan, Kostantin Kliakhandler,Izhak Kamiager, Nachum Gal, Mony Friedman, Eshel Ben-Jacob, Haim Golan  PLOS ONE, January 2013, volume 8, Issue 1, e53716

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