VDD e.V. zur Druckkammer-Notfallversorgung z.B. bei Rauchgas- und Tauchunfällen in Deutschland

Für Notfälle besteht in Deutschland zur Zeit keine gesicherte und rasche Versorgung mit hyperbarem Sauerstoff. Mit einer Ausnahme: Am 10. Februar 2012 entschied das Hessische Sozialministerium in einer unbürokratischen Lösung, die Druckkammerversorgung für Notfallpatienten in diesem Bundesland zu sichern. Mit der Anbindung an die Asklepios Paulinen Klinik als „Zentrum für hyperbare Notfall- und Intensivmedizin“ konnte das Druckkammerzentrum Wiesbaden seitdem bereits 21 Notfälle untersuchen und sieben Patienten behandeln und dies fast immer nachts.

Traunstein/Wiesbaden, 29.02.2012- „Und es geht doch! Wir freuen uns sehr darüber, dass die Hessische Landesregierung gemeinsam mit Druckkammer-Betreiber, Krankenkassen und der Hessischen Krankenhausgesellschaft eine Lösung dieser schon lange unbefriedigenden und für Unfallopfer gefährlichen Situation gefunden hat“, begrüßt Dr. med. Christian Heiden, Vorstand des Verbandes Deutscher Druckkammerzentren (VDD e.V.) die neue Entwicklung. „Wir wünschen uns, dass dieses Beispiel bundesweit Schule macht.“

Zum Hintergrund: Die Druckkammerbehandlung ist z.B. bei CO-Intoxikation, schwerer Rauchgasvergiftung, Tauchunfall (Dekompressionskrankheit, DCS) u. a. lebensrettend und deshalb international Standard in deren Behandlung. Der in ihr verabreichte Hyperbare Sauerstoff (HBO) ist die einzig wirksame Therapie, Spätschäden zu verhindern. Die Finanzierung der Versorgung für Notfallpatientinnen und -patienten, die direkt vom Rettungsdienst in die Druckkammer gebracht werden, ist jedoch momentan weder durch das ambulante noch stationäre Abrechnungssystem gedeckt, obwohl diese Behandlung auch von den zuständigen deutschen Behörden als wirksam und sinnvoll anerkannt sind. Vor allem sind auch die hohen Vorhaltekosten für die 24-stündige Bereitschaft einer Druckkammer bisher nicht gedeckt.

Das neu geschaffene „Zentrum für hyperbare Notfall- und Intensivmedizin“in Wiesbaden hat bereits rund um die Uhr zu tun

Die Lösung des Problems fand man in Hessen in der Anbindung des Wiesbadener Druckkammerzentrums an der Asklepios Paulinen Klinik. Damit diese die Druckkammer refinanzieren kann, hat ihr nun das Hessische Sozialministerium den Versorgungsauftrag „Zentrum für hyperbare Notfall- und Intensivmedizin“ zugewiesen. „In Hessen hat man den Fehler im System erkannt und einen pragmatischen Weg gefunden“, betont Michael Kemmerer, Geschäftsführer des VDD e.V. und der Druckkammerzentren Rhein-Main-Taunus GmbH. Auch das bisher oft ins Feld geführten Argument, dass hohen Vorhaltekosten insgesamt verhältnismäßig wenige Behandlungsfälle gegenüberstehen, scheint die Praxis zu widerlegen. „Seit dem 10. Februar haben wir sieben schweren Rauchgasvergiftungen und CO-Intoxikation versorgt und 12 weitere Patienten mit den Klinikärzten gemeinsam untersucht“, berichtet Kemmerer. „Diese Fälle beruhen überwiegend auf Wohnungsbränden und defekten Heizungsanlagen. In den wärmeren Monaten werden wir uns dann verstärkt um Tauchunfälle zu kümmern haben. Eine bundesweit flächendeckende, gesicherte Druckkammer-Versorgung ist auch abseits der Ballungszentren wie Rhein-Main nötig. Es geht hier um Menschenleben.“

Bereits im Januar hatte der VDD e.V. auf der „boot 2012“ in Düsseldorf gemeinsam mit der Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM e.V.) sowie den deutschen Tauchsport- und Versicherungsverbänden erneut auf den fehlenden staatlichen Versorgungsauftrag und die ungesicherte Finanzierung in der Druckkammer-Notfallversorgung aufmerksam gemacht.

Über HBO bei CO-Intoxikation und Tauchunfall

Die Behandlung einer schweren Rauchgasvergiftung oder eines Tauchunfalls, einer Dekompressionserkrankung (DCS), in einer Druckkammer ist internationaler Standard. Durch den Druck in der Druckkammer und die gleichzeitige Atmung von 100% reinem Sauerstoff werden die schädlichen Gase aus dem Körper entfernt. Durch den 20fach höheren Sauerstoffpartialdruck vermeidet die HBO-Therapie akute Schädigungen und kann lebensrettend sein. Außerdem trägt sie wie keine andere Behandlung zur Senkung der Spätschäden bei. Ohne HBO-Behandlung entstehen bei der CO-Vergiftung neurologische Spätkomplikationen bei 15 bis 40 Prozent der Patienten. Unter HBO kann diese Rate auf 1,6 Prozent reduziert werden. Dies ist wissenschaftlich bestens belegt. Auch die Bewertungen des für die Beurteilung neuer Heilmethoden zuständigen sogenannten „Gemeinsamen Bundesausschusses – GBA“ sind sowohl für die DCS als auch die CO-Intoxikation positiv.

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