Knochen- und Knochenmarkerkrankungen

Bei einer nicht heilenden (chronischen) Entzündung des Knochens (Osteitis) oder des Knochenmarks (Osteomyelitis) ist meist eine mangelhafte Durchblutung des Knochengewebes eine der Ursachen. Betroffene leiden oft unter starken Schmerzen wie Brennen und Stechen in den Knochen und haben zum Teil keine Gewalt mehr über die erkrankten Gliedmaßen. Auch nach einer Zahnextraktion kann sich der Kieferknochen entzünden oder es kommt zu Knochenschwund und Knochenfisteln. Es folgen Operationen, bei denen der Knochen geöffnet wird, die entzündeten Stellen und Knochensplitter entfernt und Antibiotika-Ketten eingesetzt werden.

Doch nicht immer schlägt die Behandlung mit Antibiotika an oder die Schmerzen kommen auch nach einem längeren Zeitraum wieder. Dann ist die Hyperbare Sauerstofftherapie bei Knochenentzündungen und Knochenmarkinfektionen eine große Hilfe. Denn die Aktivierung der Knochenaufbauzellen durch die HBO gilt als erwiesen. Der in der Druckkammer aufgenommene Sauerstoff wirkt auch in den Knochen und Gelenken. Selbst langjährige Knocheninfektionen und Knochenmarkentzündungen heilen in der Druckkammer.

Schon seit langem wird die HBO-Therapie bei Knochenentzündungen in enger Zusammenarbeit mit dem auch weiterhin behandelnden Chirurgen eingesetzt. Die hyperbare Sauerstofftherapie wird dabei begleitend zu medikamentösen und operativen Behandlungsmethoden zur Verbesserung der Heilungschancen eingesetzt. Gemeinsam mit Ihrem Arzt erarbeitet der HBO-Arzt ein auf Ihre Beschwerden abgestimmtes Behandlungsprogramm. Für die Regeneration von Zellen, Kapillaren und Gewebe benötigt der Körper Zeit. Daher sind in der Regel  20-30 Behandlungen notwendig, um einen ausreichenden Heilungserfolg zu erzielen. Eine präzise Einschätzung der mit der HBO verbundenen Heilungschancen ist mittels MRT-Aufnahmen (Magnetresonanztomographie) vor der Therapie möglich.

Aseptische Knochennekrosen sind meist spontan auftretende Knochen- bzw. Knorpelknochenzerstörungen, oft am Hüftgelenkkopf des Oberschenkelknochens, am Kniegelenk oder am Schienbeinkopf (Morbus Ahlbäck). Seltener sind auch die Knochen des Armes betroffen. Nach dem derzeitigen Wissensstand handelt es sich um ein multifaktorielles Geschehen, bei dem Störungen der lokalen Durchblutung und auch genetische Faktoren eine Rolle spielen.
Risikofaktoren sind z. B.: Unfall, Operationen mit anschließender Infektion, Störungen der Blutgerinnung, Diabetes und Übergewicht, Cortisonmedikation, Langzeitschäden bei Überdruckarbeitern oder Tauchern, neurologische Erkrankungen,  oder Alkoholkrankheit. Erste Symptome sind plötzliche Schmerzen in den betroffenen Gelenkbereichen, bei Belastung (z. B. Treppensteigen) wie auch in Ruhe, typischerweise nachts. Im späteren Verlauf zeigen sich Bewegungseinschränkungen.

Die Anfertigung eines Röntgenbildes steht häufig an erster Stelle, jedoch lassen sich so nur späte Erkrankungsstadien darstellen. Wichtig ist diese Untersuchung aber, um andere Erkrankungen, die zu ähnlichen Symptomen führen, auszuschließen. Insbesondere die Magnetresonanztomographie (MRT) ist heute als die wegweisende Untersuchung anzusehen und sollte bei Erkrankungsverdacht möglichst frühzeitig durchgeführt werden. Durch diese Untersuchung können sowohl frühe Erkrankungsstadien erkannt, als auch der Verlauf kontrolliert werden.  Die Erkrankung wird in Stadien nach ARCO eingeteilt: In Stadium 1 zeigen sich nur in der MRT leichte Veränderungen im Sinne eines sog. Knochenmarködems. Stadium 2 weist ein ausgeprägteres Bild in der MRT auf mit Knochenmarksödem und Sklerose-Zonen und im Röntgenbild zeigen sich deutlich Verdichtungsbereiche. In Stadium 3 stellen sich Zeichen von Knochenauflösung und Frakturen unterhalb des Knorpels (subchondral) dar.  In Stadium 4 sind deutliche Knorpel und Knochenveränderungen bei allen Untersuchungsmethoden erkennbar.

Die hyperbare Sauerstofftherapie kann als konservative (nicht-operative) und nebenwirkungsarme Methode mit gutem Erfolg bei aseptischen Knochennekrosen eingesetzt werden. Die Wirkungsweise wird in der unterstützenden  Sauerstoffversorgung und der Knochenstoffwechsel fördernden Wirkung der HBO gesehen. Neben der guten klinischen Erfahrung besteht insbesondere bei der Hüftkopfnekrose eine gute Studienlage, die die Wirkung der HBO in diesem Fall eindrucksvoll belegt.

Zusammen mit Ihrem Arzt arbeitet der Druckkammer-Arzt ein auf Ihre Beschwerden abgestimmtes Behandlungsprogramm aus.  Die Stadien-Einteilung beeinflusst die jeweils notwendige Therapie. Im Stadium 1 wird zunächst das betroffene Gelenk entlastet. Dies kann z. B. durch eine Schuhranderhöhung oder einen entsprechenden Gehapparat erfolgen. Engmaschige ärztliche Kontrollen sollten den Verlauf begleiten. Im Stadium 2 reicht die Entlastung nicht mehr aus. Hier kann die hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) in vielen Fällen erfolgreich eingesetzt werden. Die erhöhte Sauerstoffkonzentration im Gewebe führt zu einer Ödem-Verminderung und Gefäßneubildung. Knochenab- und aufbauende Zellen (Osteoklasten und Osteoblasten) werden aktiviert und können die zerstörten Bereiche wieder aufbauen. Die HBO kann mit Physiotherapie kombiniert werden. Im Stadium 3 ist es bereits zu leichten Knorpel-/Knochenzerstörungen gekommen und zum Teil sind operative Maßnahmen nötig. Die hyperbare Sauerstofftherapie kann aber als zusätzliche Maßnahme den Therapieerfolg verbessern, indem sie die Gefäßneubildung unterstützt und die Knochenneubildung stimuliert. Als alleinige Therapie bewirkt sie noch bei etwa 60 % der behandelten Patienten eine vollständige Ausheilung. In den restlichen Fällen können die Gelenkflächen durch operative Verfahren erhalten werden. Symptomatisch sollte in allen drei Stadien auch eine Schmerzbehandlung mittels entzündungshemmender Schmerzmedikamente (Antiphlogistika) durchgeführt werden. Im Stadium 4 können nur noch Knochentransplantationen, ein Gelenk oder Teilgelenksersatz zur Wiederherstellung der Gehfähigkeit führen.

Beim Knochenmarködemsyndrom kommt es zu einer vermehrten Wasseransammlung und Drucksteigerung im Knochen. Dies kann in der Kernspintomographie (MRT) bildgeberisch dargestellt werden. Betroffene Patienten leiden unter heftigen, therapieresistenten Schmerzen und Bewegungseinschränkungen in den betroffenen Gelenken. Das typische Schmerzbild eines KMÖ ist ein mechanischer Belastungsschmerz in Verbindung mit einem quälenden, dumpfen Dauerschmerz, der auch in Ruhe anhält.

Das Knochenmarködem (KMÖ) wird in drei klinische Gruppen eingeteilt:

  • Das ischämische Knochenmarködem kann als Folge oder Begleiterkrankung von verschiedenen Knochenerkrankungen gesehen werden. Beispielhafte Erkrankungen sind die Osteonekrose, die Osteochondrosis dissecans, der Morbus Ahlbäck und das chronisch regionale Schmerzsyndrom (CRPS, früher M. Sudeck).
  • Das mechanische Knochenmarködem ist durch Kontusionen, Mikro- und Stressfrakturen bedingt und wird als sog. „bone bruise“ bezeichnet.
  • Das reaktive KMÖ ist Folge von Arthrose oder Tumoren.

Sonderformen sind das KMÖ im Oberschenkelknochenbereich nach einer Schwangerschaft und die idiopathische Form also das KMÖ ohne erkennbare Ursache.

Als Ursache werden neurale (nervenbedingte), humorale (die Körperflüssigkeiten betreffende) und zirkulatorische (den Blutkreislauf betreffende) Ursachen diskutiert. Osteoklasten (für den Knochenstoffwechsel wichtige abbauende Zellen) spielen eine entscheidende Rolle, da sie in der Lage sind im Knochen ein saures Milieu zu erzeugen. Die genaue Entstehung des Knochenmarködems ist jedoch bisher nicht geklärt. Ebenso ist die genaue Ursache der Wirkung der hyperbaren Sauerstofftherapie beim Knochenmarködem nicht bekannt. Diskutiert werden der bekannte abschwellende (antiödematöse) Effekt, der entzündungsregulierende Effekt und der den Knochenstoffwechsel regulierende Effekt der HBO.

Weitere Informationen und Downloads